Unternehmen

Meilensteine der Unternehmensgeschichte zu einem Technologieführer für Synthesegaserzeugung

Unternehmensgründung

Zum 31. Januar 1990 gründen Dr. Bodo Wolf und weitere Mitarbeiter des ORGREB-Instituts für Kraftwerke die UET Umwelt- und Energietechnik Freiberg GmbH (heute: Engineeringbereich der CHOREN Industries GmbH). Das Portfolio umfasst Themen wie die Dampfwirbelschichttrocknung, Analysen zur Optimierung von Kraftwerksanlagen u. v. a. energetischen Prozessen.

Dampf-Wirbelschicht-Trocknung (DWT)Kraftwerk in Loy Yang mit intergrierter Dampf-Wirbelschicht-Trocknung von CHOREN (Werkfoto Lurgi)

Zu Beginn der 90er Jahre werden verschiedene DWT-Projekte durchgeführt, u. a. für die Jungbunzlauer Ladenburg GmbH, die Lurgi AG und die Kraftanlagen Heidelberg GmbH.

Carbo-V®-Technologie im Blick

Ein Auftrag zur Bewertung eines zur Müllentsorgung konzipierten Vergasungsverfahrens führt 1992 zur entscheidenden Weichenstellung für die weitere Entwicklung: Das Carbo-V®-Verfahren zur Herstellung von Synthesegas aus biogenen und nicht-biogenen Rohstoffen wird bis 1995 entwickelt.
Industrieholz - ein Rohstoff für die SynthesegaserzeugungEnde 1994 erfolgt die Gründung der ENTEC Recycling- und Industrieanlagen Planungs- und Vertriebs-GmbH. Diese firmiert ab November 1995 als CRG Kohlenstoffrecycling GmbH; später als CHOREN Industries GmbH.

Um die erforderlichen Mengen an Biomasse abzusichern, wird 1995 die GHA Gesellschaft für Holzbeschaffung, -rückung und -aufbereitung mbH (heute: Bereich Biomassebeschaffung der CHOREN Industries GmbH) gegründet.

Carbo-V®-Pilotanlage

Carbo-V-Pilotanlage, 1998Ein wesentlicher Meilenstein ist 1998 der Bau und die Inbetriebnahme einer 1-MWth-Carbo-V®-Pilotanlage. Das Ziel ist die verfahrenstechnische Nachweisführung für die Carbo-V®-Technologie zur Herstellung von Brenn- und Synthesegas aus kohlenstoffhaltigen Einsatzstoffen.
Von 1998 bis 2006 folgt eine umfassende Verfahrenserprobung. Die Carbo-V®-Pilotanlage wird mit unterschiedlichsten Einsatzstoffen (bspw. naturbelassenes Holz, Altholz verschiedenster Herkunft, Trockenstabilat aus der Müllaufbereitung, Tiermehl, Stein- und Braunkohle) gefahren.
2001 wird ein 150 kW-Gasmotor mit Carbo-V®-Gas bei einer 600 Stunden-Leistungsfahrt erfolgreich erprobt und damit der Nachweis der Elektroenergieerzeugung aus Biomasse mittels Carbo-V® -Verfahren erbracht.

Inhouse-Lieferant für KernkomponentenMitarbeiter in der Fertigung

Ende 1997 wird die TAF Thermische Apparate Freiberg GmbH (heute CHOREN Components GmbH) gegründet und beginnt im Februar 1998 mit dem Fertigungsbetrieb von verfahrenstragenden Anlagenteilen.
Strategisch wichtiges Know-how verbleibt damit im Unternehmensverbund.

CHOREN

Im Jahr 2000 firmiert die CRG um zur CHOREN Industries GmbH. Der Name ist Programm: C steht für Kohlenstoff; H für Wasserstoff; O für Sauerstoff und REN für renewable (erneuerbar).
Die CHOREN Industries fungiert als Holding für UET, TAF und GHA.

CarboCompact®-AnlageCarboCompact-Anlage, März 2002

Mit der im Rahmen des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ entwickelten CarboCompact®-Anlage im Jahr 2000 gelingt die Nutzung der Carbo-V®-Technologie für die dezentrale Anwendung im Leistungsbereich bis 500 kWth. Am Technologiestandort in Freiberg wird eine CarboCompact®-Prototyp-Anlage mit einer thermischen Leistung von 500 kW errichtet und erfolgreich in Betrieb genommen. Diese Anlage erzeugt sauberes Gas (z. B. aus Bio-Reststoffen), aus dem per Gasmotor Strom erzeugt werden kann. Weitergehende Testreihen im Jahr 2005 optimierten die Anlagentechnik. Die Entwicklung wurde von der biostrom Energiesysteme GmbH übernommen.

FuE-Tätigkeit zur Erzeugung biogener Kraftstoffe

Alpha-Anlage2000 beginnen die Entwicklungsarbeiten für die Erzeugung von erneuerbaren Kraft- und Brennstoffen. Es wird ein Fischer-Tropsch-Teststand zur Kraftstoffherstellung gebaut.
Im September 2001 startet ein im Rahmen des ZIP (Zukunfts-Innovations-Programme) des Bundesumweltministeriums gefördertes, gemeinsames Forschungsprojekt mit DaimlerChrysler. Zusätzlich steigt Volkswagen im September 2002 in die Forschungstätigkeit von CHOREN und DaimlerChrysler ein.
Ein Ziel ist stoffliche Nutzung des Rohgases aus der Carbo-V®- Vergasung zur Herstellung erneuerbarer synthetischer Kraftstoffe. Hierfür erfolgte der Bau einer Pilotanlage zunächst für eine Methanol-Synthese und später für eine Fischer-Tropsch-Synthese als Erweiterung der bestehenden Carbo-V®-Pilotanlage.
Die um die FT-Synthese erweiterte Carbo-V®-Pilotanlage wird später als Alpha-Anlage bezeichnet.

Rohmethanol  aus Holz, hergestellt 2003 in der Alpha-Anlage2001 Herstellung erster Mengen an BTL aus Synthesegas im Labormaßstab
2003 stabile Herstellung von Methanol aus Holz (für Brennstoffzellenfahrzeuge)
Nach der Produktion von 11.000 Litern wurde das Programm für Methanol abgeschlossen.
Erste Produktion von Fischer-Tropsch-Rohprodukt aus Holz
2004 Es werden Verfahrens- und Produktoptimierungen vorgenommen und die Kraftstoffe in umfangreichen Motorentests und Flottenversuchen bei DaimlerChrysler und Volkswagen mit sehr guten Ergebnissen getestet.

Biokoksproduktionsanlage (BKPA)Montage eines NTV für die Biokoksproduktionsanlage


Eine weitere Aufgabe im Rahmen des Forschungsprojektes mit DaimlerChrysler bestand in der Errichtung des ersten Carbo-V®-Vergasungsmoduls in industrieller Größenordnung (45 MWth).

Diese so genannte Biokoksproduktionsanlage (BKPA) ist heute Teil der Synthesegaserzeugung der Beta-Anlage.

Synthetischer Biokraftstoff

Probe von BTL-Diesel aus der Alpha-AnlageDie Biokoksproduktionsanlage nimmt im Oktober 2003 den Betrieb auf.
Mit dem aus Holzhackschnitzeln erzeugten Biokoks der BKPA wird in der Alpha-Anlage biogenes Synthesegas generiert, aus dem via Fischer-Tropsch-Synthese BTL hergestellt wird.
Am 26. November 2004 liefert die Alpha-Anlage ihren Zehntausendsten Liter BTL.
Nach insgesamt 22.500 Betriebsstunden wird im November 2006 die Alpha-Anlage stillgelegt.

Der Bau der Beta-Anlage

Reaktortransport von der Fertigungsstätte durch Freiberg zur Beta-AnlageIm Juni 2003 wird unter Einbindung des erprobten Vergasungsmoduls (BKPA) mit der Errichtung der Beta-Anlage begonnen. Ende 2005 sind alle Hauptkomponenten der Synthesegaserzeugung montiert, die Außenhülle ist geschlossen, die Silos für die Holzhackschnitzel sind fertig gestellt.

Im August 2005 erwirbt die Shell Deutschland Oil GmbH eine Minderheitsbeteiligung an CHOREN und bleibt bis November 2009 Gesellschafter. Die von Shell weiterentwickelte Fischer-Tropsch-Verfahren, die Middle Destillate Synthesis (SMDS), wird in der Beta-Anlage für die Umwandlung des Synthesegases zu BTL eingesetzt.

Im Dezember 2006 liefert die TAF Thermische Apparate Freiberg GmbH (heute: CHOREN Components GmbH) den bis dato größten Reaktor ihrer Unternehmensgeschichte aus – für die Syntheseeinheit der Beta-Anlage.
Die Bauphase der Beta-Anlage wird im Frühjahr 2008 abgeschlossen (mechanische Fertigstellung).

Neue Gesellschafter

Am 11. Oktober 2007 werden die Daimler AG und die VW Kraftwerk GmbH Minderheitsgesellschafter der CHOREN Industries.Logo der Daimler Aktiengesellschaft Logo der Volkswagen Aktiengesellschaft 

Internationale Geschäftstätigkeit

Im Juni 2006 wird die CHOREN USA LLC, die im September 2007 ihre Geschäfte aufnimmt, gegründet. Der Firmensitz befindet sich in Houston im Bundesstaat Texas.

Im März 2009 nimmt die CHOREN Energy Chemical Technology (Beijing) Co., Ltd. ihre Geschäftstätigkeit in Peking/China auf.

Im Mai 2010 werden die CHOREN Technologies GmbH und die CHOREN Biomass GmbH auf die CHOREN Industries GmbH verschmolzen.


Sicherheit oberstes Gebot

Nach einigen schweren Unfällen in der petrochemischen Industrie, u. a. in den USA, führte eine hochrangige Kommission unter der Leitung des ehemaligen US-Außenministers James A. Baker umfangreiche Untersuchungen durch und empfahl in dem 2007 veröffentlichten Bericht die Einführung verschiedener zusätzlicher Sicherheitsstandards.
CHOREN entscheidet sich, die Beta-Anlage diesen Standards anzugleichen. In 2008 beginnen Checks in allen Bereichen der Beta-Anlage. Die daraus abgeleiteten Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen werden im Jahr 2009 beendet, die Inbetriebnahme der über 100 Teilsysteme der Anlage beginnt.

Das erste Synthesegas aus der Beta-AnlageSynthesegas::Bei seiner Verbrennung entsteht am Ende der Brennkammer mit Abgasführung ein Widerschein, der bei Dunkelheit wahrzunehmen ist (Bildmitte).

Die Heißinbetriebnahme der Synthesegaserzeugung der Beta-Anlage wird mit dem Zünden der Anfahrbrenner am 9. November 2009 gestartet.
In der Nacht vom 16. zum 17. Dezember 2009 wird das erste Synthesegas aus Holz in der Beta-Anlage erzeugt.

Testkampagnen und technische Änderungen

Im Jahr 2010 absolviert die Synthesegaserzeugung mehrere Betriebskampagnen. Es wird aus Biomasse ein teer- und aromatenfreies Synthesegas erzeugt. Außerdem werden verschiedene Qualitäten an Holzhackschnitzeln getestet und Leistungsparameter der Anlage bestimmt. Der Praxisnachweis der Carbo-V-Technologie wird erneut erbracht. Als first of its kind-Anlage (erste Anlage ihrer Art) zeigt die Synthesegaserzeugung verschiedene, vorwiegend mechanische Schwachstellen auf. Es werden entsprechende technische Lösungen entwickelt und weitgehend bis Jahresende in der Anlage umgesetzt.

Vorbereitung der nächsten Betriebskampagnen

Bedingt durch Änderungen in den Anlageninstallationen werden 2011 erneut Funktionstests und behördliche Abnahmeprüfungen durchgeführt. Die Kaltinbetriebnahme der Synthesegaserzeugung ist im Frühsommer beendet. Die Heiß-Inbetriebnahme für die Vergasung wird abgeschlossen und Niedertemperaturvergaser und Hochtemperaturvergaser werden einzeln unter Teillast in Betrieb genommen. Dabei zeigen sich erste positive Effekte durch die vorgenommenen technischen Anpassungen.
In den der Synthesegaserzeugung nachgeschalteten Anlagenteilen ist die Inbetriebnahme weitestmöglich vorbereitet.
Bevor die Leistung der Anlage weiter nach oben gefahren werden kann, müssen aufgrund der Anmeldung einer vorläufigen Insolvenz die Aktivitäten vorübergehend unterbrochen werden.