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Startschuss für landwirtschaftliche Energieholzproduktion in Brandenburg
CHOREN setzt auf schnellwachsende Baumarten für die SunDiesel®-Herstellung - erste Demonstrationsflächen im Raum Schwedt wurden erfolgreich etabliert
Freiberg, 21. Mai 2008
In einem Gemeinschaftsprojekt wurden rund 20 Hektar Agrarholz mit schnellwachsenden Weiden und Pappeln bepflanzt. Neben der CHOREN Biomass GmbH sind auch die PCK Raffinerie Schwedt, die FH-Eberswalde, die Forstbaumschule „Fürst Pückler“ sowie zwei lokale Agrargesellschaften an dem Demonstrationsprojekt beteiligt. Im kommenden Jahr ist eine erhebliche Ausweitung der Flächen geplant.
In der Konzeption für eine industrielle BTL (Biomass to Liquids) – Anlage am Standort Schwedt durch die CHOREN-Unternehmensgruppe nimmt Agro-Energieholz neben Altholz und Waldrestholz eine Schlüsselstellung bei der Rohstoffversorgung ein. Läuft alles nach Plan, sollen in Schwedt ab 2012/2013 rund 1 Million Tonnen holzartiger Biomasse zu synthetischem Biokraftstoff verarbeitet werden.
Mitte Mai wurden 22 verschiedene Pappel und Weidensorten in Form von rund 350.000 jeweils 20 cm langen Stecklingen auf unterschiedlichen Ackerstandorten maschinell gepflanzt.
Die erste Ernte kann bereits drei Jahre nach der Anpflanzung mit einem modifizierten Maishäcksler erfolgen. Nach der Ernte treiben die Bäume wieder aus dem Wurzelstock aus und können ohne weiteren Aufwand wiederum nach 3 Jahren abgeerntet werden. Diese so genannten Umtriebe lassen sich über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren ohne Ertragseinbußen wiederholen. Der Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz ist bei schnellwachsenden Baumarten allgemein sehr gering. Dies führt zu einer deutlich besseren Ökobilanz als die Produktion von Getreide oder Raps für die Erzeugung von Biokraftstoffen der 1. Generation. Darüber hinaus wird für dieselbe Ausbeute im Vergleich mit Biodiesel oder Ethanol nur ein Drittel an landwirtschaftlicher Fläche benötigt.
Je nach Bodenqualität und Wasserverfügbarkeit können über den Biomasseertrag von Kurzumtriebsplantagen zwischen 2.000 und 5.000 Liter synthetischer Biokraftstoff pro Hektar und Jahr erzeugt werden. Dies entspricht einem Holz-Trockenmasszuwachs von 8 bis 20 Tonnen pro Jahr.
„Neben dem Demonstrationscharakter der Flächen sollen die Sortenversuche insbesondere auch weitere Erkenntnisse über regionalspezifische Ertragspotentiale sowie praxisnahe Produktionskosten liefern“, betont Michael Weitz, Verantwortlicher für den Bereich landwirtschaftlicher Biomasse bei CHOREN.
Für die beteiligten Agrargesellschaften bietet die neue Form der Flächenbewirtschaftung die Möglichkeit sich mit einem Teil der Fläche von schwankenden Nahrungsmittelpreisen sowie hohen Betriebsmittelkosten unabhängig zu machen und gleichzeitig einen sicheren Beitrag zum Betriebsergebnis zu erzielen. „Wenn sich die Wirtschaftlichkeit der Agrarholzerzeugung so entwickelt wie erwartet, dann wird dies für einen nennenswerten Teil der landwirtschaftlichen Fläche in der Region eine attraktive Nutzungsvariante sein“ ist Peter Preuß, Geschäftsführer der Randow Welse GmbH, überzeugt. Zudem gedeihen schnellwachsende Baumarten auch auf Flächen, die für klassische Ackerkulturen beispielsweise wegen Staunässe oder anderen Einschränkungen weniger gut geeignet sind. Der Status der Flächen als landwirtschaftliche Nutzfläche bleibt dabei in jedem Fall erhalten.
Die Fachhochschule Eberswalde beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit der Erforschung der standörtlichen Voraussetzungen für die Agrarholzproduktion. Das Ackerflächenpotential in Brandenburg mit verhältnismäßig mittelmäßigen oder schlechten Bedingungen für den Getreideanbau aber gleichzeitig besonders guten Standortvoraussetzungen für die Energieholzerzeugung wird auf etwa 200.000 Hektar geschätzt. „Wenn es Regionen in Deutschland gibt, in der sich die kommerzielle Agrarholzproduktion gegenüber klassischen landwirtschaftlichen Fruchtfolgen rechnet, dann sind das Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern“, betont Prof. Dieter Murach, der die Agrarholzforschung in Eberswalde seit 2004 leitet.
Wenn perspektivisch rund 50 % des Biomassebedarfs für die geplante Produktionsanlage von synthetischem Biokraftstoff über Agro-Energieholz bereitgestellt werden sollen, entspricht dies etwa 40.000 Hektar oder rund 3 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Brandenburgs. Die Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- oder Futtermitteln und der Energieerzeugung fällt dabei wesentlich geringer aus als bei traditionellen Biokraftstoffen. Denn für die Erzeugung von einem Liter SunDiesel® wird deutlich weniger Fläche als für die Produktion von Biodiesel oder Ethanol benötigt. Zudem kommen auch Grünlandflächen für den Anbau von Energieholz in Betracht und rund 50 % des Rohstoffbedarfs der geplanten Anlage sollen ohnehin langfristig über Restsstoffe aus der Forst und Recyclingindustrie gedeckt werden.
Auch wenn die endgültige Investitionsentscheidung für die BTL-Produktionsanlage in Schwedt wegen der derzeit fehlenden langfristigen Planungssicherheit für Investoren noch nicht getroffen wurde, so ist die CHOREN Unternehmensgruppe schon jetzt bereit, für einige 100 Hektar langfristige Kooperationsverträge zu schließen. „Für die Anpflanzungen im kommenden Jahr suchen wir weitere Agrarbetriebe und Flächenbesitzer die Interesse am Anbau von Energieholz haben“, bekräftigt Michael Deutmeyer, Geschäftsführer der CHOREN Biomass GmbH den langfristigen Fokus auf den Agrarholzanbau für die BTL-Produktion.
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